Die Senioren-Union Sachsens weist Forderung nach verpflichtendem Sozialjahr für Rentner entschieden zurück
Die jüngsten Äußerungen von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, der in einem SPIEGEL-Interview ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner forderte, kritisiert die Landesvereinigung Sachsen der Senioren-Union deutlich.
„Dieser Vorschlag ist nicht nur praxisfern, sondern auch respektlos gegenüber einer Generation, die unser Land über Jahrzehnte aufgebaut hat“, erklärte Landrat a.D. Frank Vogel, Landesvorsitzender der Senioren-Union Sachsens. „Wir reden hier über Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Familien großgezogen, Steuern gezahlt und das Gemeinwesen getragen haben. Sie im Alter zu staatlich verordneten Zwangsdiensten heranzuziehen, widerspricht jeder Vorstellung von Gerechtigkeit.“
Vogel verweist dagegen auf die bereits heute enormen Beiträge älterer Menschen zum Gemeinwesen: Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit in Vereinen, Kirchen, Nachbarschaften und Pflegeinitiativen. „Viele der Seniorinnen und Senioren haben sich über Jahrzehnte ehrenamtlich in Vereinen und Verbänden engagiert. Und sie tun dies heute noch – bspw. in Sportvereinen, in Kirchgemeinden, im Betreuungs- und Hospizdienst oder der Pflege von Angehörigen.“ so Vogel in einem Interview bei MDR aktuell. „Dieses Engagement vor Ort und in unseren Gemeinden lebt von Freiwilligkeit und innerer Überzeugung – nicht von staatlichem Druck“, so Vogel weiter.
Darüber hinaus warnt die Senioren-Union Sachsens vor den sozialen und rechtlichen Folgen einer solchen Maßnahme. „Viele Ältere sind gesundheitlich eingeschränkt, viele pflegen Partner oder kümmern sich um Enkelkinder. Das ist gelebte Solidarität, die der Staat nicht einfach ignorieren darf. Ein verpflichtendes Sozialjahr für Rentner wäre ein Irrweg – rechtlich wie gesellschaftlich“, sagte Vogel. „Ein Staat, der seine Älteren zu Dienstpflichten zwingt, verspielt Vertrauen und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“